top of page

Tankrabatt statt Familien? Was das Sparpaket 2027 für dein Geld bedeutet

Autorenbild: Elisa Hippert
Elisa Hippert
1. Okt.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Okt.

Seit dem 1. Oktober gibt es 17 Cent Tankrabatt pro Liter. Gleichzeitig plant die Bundesregierung, bei Familien zu sparen. In diesem Artikel erfährst du, was das konkret für dein Geld bedeutet und was du jetzt schon tun kannst.

Warum mich der Tankrabatt nachdenklich macht

Ich stehe an der Ladesäule. Mein Auto ist elektrisch. Der Tankrabatt bringt mir also nichts.

Ich gönne ihn jeder Familie, die auf ihren Diesel angewiesen ist. Ehrlich. Was mich als Finanzplanerin und Mama von drei Kindern aber beschäftigt, ist eine andere Frage: Wofür ist Geld da? Und wofür nicht?

Denn während der Rabatt im Eiltempo beschlossen wurde, stehen bei Familien gleich mehrere Kürzungen im Raum. Ich habe nachgerechnet.

Was der Tankrabatt 2026 kostet

Der Tankrabatt gilt vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt um 14,04 Cent pro Liter. Weil auch die Mehrwertsteuer auf diesen Betrag wegfällt, sind es rund 17 Cent pro Liter.

Der Staat verzichtet dadurch auf rund 2,5 Milliarden Euro. Die Hälfte tragen die Länder. Bundestag und Bundesrat haben den Rabatt am 25. September 2026 im Eilverfahren beschlossen.

2,5 Milliarden Euro. Für drei Monate. Merk dir diese Zahl.

Was bei Familien gespart werden soll

Im Haushaltsentwurf 2027 sind für Elterngeld, Unterhaltsvorschuss und Kinderzuschlag zusammen gut 1,1 Milliarden Euro weniger eingeplant als 2026. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was der Tankrabatt in drei Monaten kostet.

Elterngeld

Im Haushalt 2027 sind rund 440 Millionen Euro weniger eingeplant. Das trifft alle Eltern in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes. Stand: Haushaltsentwurf, noch nicht beschlossen.

Unterhaltsvorschuss

Geplant sind rund 400 Millionen Euro weniger. Die Zahlung soll künftig schon mit dem 16. Geburtstag des Kindes enden statt mit dem 18. Betroffen sind rund 80.000 Kinder von Alleinerziehenden, es geht um bis zu 394 Euro im Monat. Stand: geplant ab 2027, in der Koalition umstritten.

Kinderzuschlag

Rund 260 Millionen Euro weniger sind eingeplant. Der Kindersofortzuschlag von 25 Euro pro Kind und Monat soll wegfallen. Das trifft Familien mit kleinem Einkommen. Stand: Haushaltsentwurf, noch nicht beschlossen.

Kinderkrankentage

Ab 2027 soll es nur noch 10 statt 15 Tage pro Kind und Elternteil geben. Das trifft alle gesetzlich versicherten Eltern. Stand: Vorschlag des Gesundheitsministers.

Wichtig: Die Zahlen sind Haushaltsansätze. Ein Teil der Differenz kann auch daran liegen, dass weniger Anträge erwartet werden. Die Richtung ist trotzdem klar. Gerade beim Unterhaltsvorschuss geht es für eine Familie schnell um 4.728 Euro im Jahr.

Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat es so zusammengefasst: Der Tankrabatt koste mehr als alle Einsparungen bei Familien zusammen.

Was schon beschlossen ist: die Familienversicherung

Eine Änderung ist bereits Gesetz. Der Bundestag hat am 10. Juli 2026 das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen, der Bundesrat hat zugestimmt.

Ab 2028 ist die Mitversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht mehr automatisch beitragsfrei. Es kommt ein Zuschlag von 2,5 Prozentpunkten auf das Einkommen des Hauptversicherten dazu. Bei 3.500 Euro brutto sind das rund 87,50 Euro im Monat.

Die gute Nachricht: Kinder bleiben weiterhin beitragsfrei mitversichert. Und der Zuschlag entfällt unter anderem, solange ein Kind unter 12 Jahren im Haushalt lebt oder der Partner Angehörige pflegt.

Das heißt aber auch: Wer wegen der Kinder zu Hause geblieben ist, wird zum Kostenfaktor, sobald das jüngste Kind 12 wird. Gerade für Mütter ist das ein Thema, das man rechtzeitig einplanen sollte.

Was außerdem droht: Vorsorge in der Schwangerschaft

Auch beim Frauenarzt soll gespart werden. Die Schwangerenvorsorge und die Krebsfrüherkennung sollen ab 2027 nicht mehr außerhalb des Budgets bezahlt werden. Frauenärztinnen und Frauenärzte warnen vor längeren Wartezeiten und Aufnahmestopps.

Dazu kommt die Lage bei den Hebammen. Seit dem neuen Hebammenhilfevertrag vom November 2025 berichten viele Hebammen von Einbußen. Viele Schwangere kennen das: Hebamme gesucht, keine gefunden.

Was du jetzt tun kannst

Vieles davon ist noch nicht beschlossen. Du musst also nicht in Panik verfallen. Aber du kannst vorbereitet sein.

  1. Kinderkrankentage clever aufteilen. Jeder Elternteil hat einen eigenen Anspruch. Sprecht im Herbst ab, wer welche Tage nimmt, statt dass immer dieselbe Person zu Hause bleibt.

  2. Einen Puffer für unbezahlte Tage anlegen. Ein Notgroschen von drei Monatsausgaben fängt nicht nur kaputte Waschmaschinen auf, sondern auch Wochen mit krankem Kind.

  3. Kinderzuschlag prüfen. Viele Familien wissen gar nicht, dass sie Anspruch haben. Der KiZ-Lotse der Familienkasse zeigt dir in wenigen Minuten, ob es sich lohnt, einen Antrag zu stellen.

  4. Als Alleinerziehende den Unterhalt sichern. Lass den Kindesunterhalt verbindlich festhalten. Das Jugendamt hilft dir mit einer Beistandschaft kostenlos dabei.

  5. Den Partner zu Hause absichern. Wenn einer von euch nicht oder wenig arbeitet: Plant frühzeitig den Beitrag zur Krankenversicherung ab 2028 ein und kümmert euch um eine eigene Altersvorsorge für diese Person.

  6. Laut werden. Noch ist vieles offen. Schreib deiner Bundestagsabgeordneten. Teile diesen Artikel. Politik reagiert auf Stimmen.


Fazit: Eine Frage der Prioritäten

Drei Monate billiger tanken kosten rund 2,5 Milliarden Euro. Ein Jahr weniger für Familien bringt rund 1,1 Milliarden. Das ist keine Frage von Sparen. Das ist eine Frage von Prioritäten.

Du kannst die Politik nicht allein ändern. Aber du kannst dafür sorgen, dass deine Familie nicht vom Zufall abhängt.

In meiner Instagram-Staffel „Sparpaket Familie“ auf @zukunft_statt_zufall erkläre ich jeden Freitag eine der geplanten Änderungen und was sie für dein Geld bedeutet.

Und wenn du wissen willst, wie gut deine Familie aufgestellt ist: Buch dir ein kostenloses Erstgespräch. Wir schauen gemeinsam, wo deine Lücken sind und wie du sie schließt.


Stand: 1. Oktober 2026. Viele der genannten Pläne sind noch nicht beschlossen und können sich ändern. Dieser Artikel ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Illustration: Waage mit Zapfsäule und Kinderwagen, Tankrabatt gegen Kürzungen bei Familien

Quellen

 
 
 

Kommentare


bottom of page